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Die Balance finden

9. Juli 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Tim Cooper, Gastautor

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Um das Beste aus ihrem Portfolio herauszuholen, müssen Anleger Risiko, Rendite und Liquidität in ein ausgewogenes Verhältnis bringen – und so geht es.

Jeder Investor hätte am liebsten eine möglichst hohe Rendite, ein minimales Anlagerisiko und ein jederzeit liquides Vermögen. Aber diese drei Ziele konkurrieren miteinander, das heisst, man kann sie nicht gleichzeitig maximieren. Ein erfolgreicher Investor muss sie ausbalancieren, entsprechend seiner individuellen Situation, seinem Ausblick auf die Finanzmärkte und seinen Vermögenszielen. Aber wie soll man dabei vorgehen? Lassen Sie mich zunächst die drei Ziele genauer definieren.

Die Rendite entspricht dem Vermögenswachstum oder dem Einkommen - beispielsweise fünf Prozent pro Jahr - aus einer Investition in Aktien, Anleihen oder anderen Vermögenswerten.

Das Risiko wird am häufigsten als Ausmass der Kursschwankungen bzw. als Volatilität gemessen. Preisanstiege und -rückgänge sind bei einem volatilen Vermögenswert stärker ausgeprägt. Dies bedeutet ein größeres Verlustrisiko, wenn Sie die Anlage nach einem Kurssturz verkaufen müssen. Bei einem Vermögenswert mit geringerer Volatilität sind die Preisschwankungen geringer, so dass diesbezüglich das Risiko kleiner ist. Das Risiko wird von vielen Faktoren beeinflusst - zum Beispiel sind Aktien meist volatiler als Anleihen, und Schwellenmärkte sind in der Regel risikoreicher als entwickelte Märkte.

Die Liquidität gibt an, wie einfach Sie einen Vermögenswert in Bargeld umwandeln können. So lassen sich beispielsweise börsenkotierte Aktien eines großen Unternehmens in der Regel schnell und einfach verkaufen. Wenn Sie jedoch eine große Immobilie besitzen, dürfte deren Verkauf schwierig und zeitaufwändig werden.

Zielkonflikte

Um ein besserer Anleger zu werden, müssen Sie die Beziehung zwischen den drei konkurrierenden Zielen verstehen. Im Allgemeinen gilt: Je volatiler eine Investition ist, desto höhere Erträge dürfen Sie langfristig erwarten. Beispielsweise gehören Aktien zu den risikoreichsten Anlagen, aber sie bieten langfristig auch höhere Renditen.

Das bedeutet: Wenn Sie in einen illiquiden Vermögenswert investieren, sollten Sie eine höhere Rendite und/oder ein geringeres Risiko anstreben  ̶  entweder direkt oder durch eine bessere Portfoliodiversifizierung. Dies als Kompensation dafür, dass Sie Ihr Vermögen nicht kurzfristig flüssig machen können. Ein Beispiel: Sie möchten ein regelmäßiges Einkommen erzielen, können aber damit leben, dass Sie keinen schnellen Zugriff auf Ihr Kapital haben. In dem Fall könnten Sie einen Teil Ihres Portfolios in eine illiquide Immobilie investieren, die relativ hohe und stabile Mieteinnahmen abwerfen wird.

Die Effizienzkurve

Die moderne Portfoliotheorie liefert eine genauere Erklärung für die Beziehung zwischen Risiko und Ertrag. Die darin beschriebene Effizienzkurve zeigt die optimale Rendite für ein gegebenes Risikoniveau und wird durch eine von links nach rechts ansteigende Linie dargestellt, wobei das Risiko auf einer Achse und die Rendite auf der anderen liegt.

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Die Linie ist gekrümmt, weil der Grenzertrag des Risikos abnimmt. Mit anderen Worten, eine Erhöhung des Risikos führt nicht automatisch zu einer gleich grossen Erhöhung der Rendite. Die Effizienzkurve eignet sich gut dafür, das Risiko-/Ertragsverhältnis eines Portfolios zu visualisieren. Dabei sollte man aber wissen, dass es verschiedene Kurven gibt, weil jede Investition und jeder Anleger anders sind.

Einzelne Anlagen oder Portfolios, die unter der Effizienzkurve liegen, sind suboptimal. Das heisst, Sie erzielen mit diesen nicht genug Rendite, um das eingegangene Risiko zu rechtfertigen. Untersuchungen haben ergeben, dass die optimalsten Portfolios - diejenigen, die durchweg auf oder nahe der Effizienzkurve liegen - tendenziell gut diversifiziert sind, sie beinhalten also einen Mix verschiedener Vermögenswerte.

Mehrere Töpfe ausbalancieren

Um nun Ihre Anlagestrategie zu definieren, sollten Sie zunächst herausfinden, welches Risiko Sie bereit sind einzugehen, um die gewünschte Rendite zu erzielen und wie viel Liquidität Sie künftig benötigen werden. David Blake ist Professor für Rentenökonomie an der Londoner Cass Business School. Für ihn ist der individuelle Anlagehorizont der wichtigste Faktor, den Sie bei diesem Balanceakt berücksichtigen sollten. Wenn Sie im Hinblick auf ein Ereignis sparen, das in weniger als drei Jahren eintreten wird, beispielsweise die Zahlung von Schulgeldern, gilt dies als kurzfristig. In diesem Fall sollten Sie liquide Anlagen mit geringem oder gar keinem Risiko bevorzugen. Wenn Sie hingegen für den Ruhestand in zwanzig Jahren investieren, können Sie auch in illiquidere und risikoreichere Anlagen investieren, die höhere Renditen ermöglichen.

Gemäss Blake haben Individuen oft mehrere Anlagehorizonte - kurz-, mittel- und langfristig. In diesem Fall sollten Sie eine so genannte "Topfstrategie" befolgen. Das bedeutet, dass Sie zur Deckung der kurzfristigen Ausgaben einen Teil der Mittel liquid halten und damit Ertragschancen opfern. Als Kompensation können Sie für zeitlich weiter entfernte Sparziele in illiquide und risikoreichere Anlagen investieren, die höhere Ertragschancen bieten.

Hierbei sollten Sie aber auch Ihr Anfangsvermögen berücksichtigen und wie stark dieses wachsen muss, damit Sie Ihre Ziele erreichen, aber auch andere Einkommensquellen, die Ihnen dabei helfen könnten. Ebenso sollten Sie Ihre subjektive Risikotoleranz und Ihre objektive Risikofähigkeit ermitteln. Ihre Risikotoleranz gibt an, mit wie viel Risiko Sie sich noch wohl fühlen. Die Risikofähigkeit hingegen misst, was Sie sich leisten könnten, im schlimmsten Fall auf der Grundlage Ihrer Verpflichtungen und Ressourcen zu verlieren.

Wenn Ihre Risikotoleranz und -fähigkeit hoch und Ihr Zeithorizont lang sind, können Sie sich für Investitionen mit hohem Risiko und hoher Rendite entscheiden und umgekehrt, wenn Sie einen kurzen Zeithorizont oder ein tiefes Risikoprofil haben.

Für eine systematische Topfstrategie, sollten Sie separate Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen für lang-, mittel- und kurzfristige Ziele führen. Mit einer solchen Anlagestrategie, die auf Ihre unterschiedlichen Ziele und Anlagehorizonte Rücksicht nimmt, können Sie sich beruhigt zurücklehnen.

Der richtige Vermögensmix

Ihr Gesamtrisikoprofil ist die Basis für die Asset Allokation Ihres Portfolio - d.h. der Mix aus riskanteren Vermögenswerten wie Aktien und sichereren Anlagen wie Anleihen und Bargeld. Um zwei einfache Beispiele zu nennen: Ein "vorsichtiger" Anleger mit einem tiefen Risikoprofil könnte typischerweise 20 bis 40 Prozent Aktien in seinem Portfolio haben, den Rest in Anleihen und anderen sichereren Anlagen; und ein "abenteuerlustiger" Anleger könnte vielleicht 60 bis 80 Prozent in Aktien halten.

Die Diversifizierung Ihrer Anlagen über die Unternehmensgrösse und Geografie hinweg dürfte ebenfalls zur Risikominderung beitragen. Wenn Sie über einen langen Zeithorizont verfügen, können Sie einen kleinen Teil - sagen wir 5 bis 15 Prozent - in illiquide Anlagen investieren, beispielsweise eine Immobilie. Das bringt nicht nur stabile Erträge, sondern auch eine zusätzliche Diversifizierung. Stellen Sie jedoch sicher, dass Sie solche Anlagen verkaufen, lange bevor Sie das Kapital wieder benötigen.

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