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Vorurteile können teuer sein

30. September 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Redaktion MAG/NET

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Eine neue Langzeitstudie kontert die Behauptung, Nachhaltigkeit beim Anlegen gehe auf Kosten der Rendite.

Die Bedeutung ökologischer, sozialer und ethischer Aspekte beim Anlegen hat im Zuge der Pandemie zugenommen. Privatanleger geben sich überzeugt, dass nachhaltige Vermögensanlagen nützlich seien, um ethische Standards in der Wirtschaft durchzusetzen, um soziale Bedingungen in Unternehmen zu verbessern, und um Umwelt und Klima zu schützen. Dies geht zum Beispiel aus dem LGT Private Banking Report 2020 hervor. Und auch, dass ein grosses Interesse am Einbezug von ESG-Kriterien in Anlagen besteht. Die Buchstabenkombination ESG steht für «environment, social, governance», also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und wird oft mit «nachhaltig investieren» gleichgesetzt.

Vermeintlicher Renditeverzicht

Während bei den Profi-Investoren wie Pensionskassen Nachhaltigkeit in den Portfolios angekommen ist, klafft bei manchen Privatanlegern noch eine Lücke zwischen der Bedeutung, die sie nachhaltigen Anlagen verbal beimessen und der Rolle, die nachhaltige Investments in ihren Portfolios tatsächlich spielen. Dies bestätigt auch der LGT Private Banking Report 2020, für den über 350 Private-Banking-Kunden im deutschsprachigen Raum befragt wurden.   

Ein Hauptgrund dafür ist gemäss der Studie, dass viele Privatanleger glauben, der Einbezug nachhaltiger Kriterien gehe zu Lasten der Rendite. Aber was wäre, wenn es den Zielkonflikt zwischen Rendite und Nachhaltigkeit gar nicht gäbe? Wenn der Renditeverzicht nur ein vermeintlicher wäre? Genau dies legt eine neue Langzeitstudie nahe: Sie kontert die Behauptung, dass Nachhaltigkeit auf Kosten der Performance geht.

Das renommierte Analysehaus Morningstar hat die Performance von 4900 in Europa domizilierter Anlagefonds aus sieben populären Anlagekategorien über 1, 3, 5 und 10 Jahre bis Dezember 2019 sowie während des Covid-19-bedingten Ausverkaufs an den Finanzmärkten im Frühjahr 2020 (per 31. 3. 2020) untersucht. Unter den untersuchten Fonds sind 745 nachhaltige Fonds – sowohl aktiv verwaltete wie auch passive Strategien (Indexfonds). Morningstar hat die Kategorien auf der Basis der Verfügbarkeit nachhaltiger Fonds mit Zehn-Jahres-Rendite festgelegt. Entsprechend handelt es sich mit Blick auf verwaltete Vermögen und Zahl der Nachhaltigkeits-Fonds um die grössten in Europa, was die Relevanz für Anleger erhöht.

Eindeutiges Fazit

Die Resultate der Studie zeigen, dass auch skeptische Anleger sich näher mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen sollten. Das Fazit ist nämlich eindeutig: Nachhaltige Fonds schnitten über alle Beobachtungszeiträume überdurchschnittlich erfolgreich ab. Das zeigen sowohl die Höhe der Renditen wie auch die Erfolgsquoten in den sieben Fondskategorien.

So erwirtschaftete die Mehrheit der nachhaltigen Fonds eine bessere Performance als ihre traditionellen Konkurrenten. Dieser Befund liess sich über die verschiedenen Zeitabschnitte hinweg beobachten, also über 1, 3, 5 und 10 Jahre. Über zehn Jahre bis Ende 2019 haben 59 Prozent der nachhaltigen Fonds traditionelle Fonds übertroffen.

Die Erfolgsquote (Success Rate) nachhaltiger Fonds variiert nach Anlageklasse (siehe Tabelle 1). Sie drückt aus, wie viele Nachhaltigkeits-Fonds in einer bestimmten Periode überlebt und gleichzeitig den Durchschnitt der konventionellen Pendants übertroffen haben.

Die Tabelle 1 zeigt, dass nach zehn Jahren fünf von sieben Nachhaltigkeits-Fonds-Kategorien eine Erfolgsquote von mehr als 50 Prozent aufwiesen; nachhaltige Schwellenländer-Aktienfonds hatten eine Erfolgsquote von immerhin 50 Prozent; nur Fonds für Euro-Unternehmensanleihen hatten nach zehn Jahren eine eher bescheidene Erfolgsquote von einem Drittel.

„Die Ergebnisse entlarven den Mythos, dass nachhaltige Investitionen mit einem Performance-Nachteil verbunden sind“, sagt Hortense Bioy, Direktorin für passive Strategien und Nachhaltigkeits-Research bei Morningstar. Auch Andrea Ferch, Leiterin nachhaltige Anlagen im Private Banking der LGT, ist von den Resultaten der Studie nicht überrascht. So seien nachhaltig ausgerichtete Unternehmen oft in innovativen Branchen tätig, gingen sparsamer mit kostbaren Ressourcen um und liefen auch weniger Gefahr, wegen verursachter Umweltschäden oder Menschenrechtsverletzungen in kostspielige Gerichtsverfahren mit manchmal sehr hohen Bussen und Schadenersatzzahlungen verwickelt zu werden. 

Eine wichtige Rolle für den Erfolg nachhaltiger Fonds hat deren hohe Überlebensquote gespielt. Morningstar fand heraus, dass von den nachhaltigen Fonds, die Anlegern vor zehn Jahren zur Verfügung standen, durchschnittlich 72 Prozent noch im Angebot, also aktiv, sind - verglichen mit gut 45 Prozent der konventionellen Fonds. Dass Nachhaltigkeitsfonds deutlich seltener liquidiert werden als konventionelle Fonds, verschafft Anlegern mehr Gewissheit über die Chancen auf nachhaltigere Anlageerfolge. 

Nachhaltigkeits-Fonds auch während Pandemie widerstandsfähiger

Die Morningstar-Studie hat auch ergeben, dass nachhaltige Fonds während des COVID-19-Ausverkaufs im Frühjahr 2020 (bis zum 31. 3. 2020) besser performten als ihre traditionellen Pendants. Sie erzielten mit einer Ausnahme in allen Kategorien eine stabilere Performance, wobei die durchschnittlichen Überrendite im ersten Quartal 2020 zwischen 0,09 und 1,83 Prozent lagen.

Die Outperformance nachhaltiger Fonds während des COVID-19-Ausverkaufs im ersten Quartal lässt sich durch eine Kombination von Faktoren erklären. Zunächst, so die Studie, hätte eine Untergewichtung in Sektoren wie Öl und Gas und eine Übergewichtung in Sektoren wie Technologie und Gesundheitswesen vielen nachhaltig-orientierten Portfolios Vorteile gebracht. Hinzu kamen aber auch traditionelle Faktoren wie Qualität und geringe Volatilität: Unternehmen, die im Bereich ESG gut abschneiden, verfügen in der Regel über solidere Bilanzen und Wettbewerbsvorteile, und dies sind Attribute, die Unternehmen bei Marktabschwüngen widerstandsfähiger machen. Schließlich seien Unternehmen mit hoher Nachhaltigkeitsqualität in der Regel auch gut geführte Unternehmen, die alle ihre Stakeholder fair behandeln, ihre Umweltprobleme angehen und weniger Kontroversen ausgesetzt sind. Viele solcher Unternehmen seien besser gerüstet, um Zeiten der Unsicherheit zu überstehen.

Weitere positive Forschungsergebnisse

Die Studie von Morningstar steht nicht allein: Jüngere Forschungsergebnisse zeigen, dass der Business Case für nachhaltige Investitionen empirisch sehr gut fundiert ist. Etwa 90 Prozent der akademischen Studien finden eine nicht-negative Beziehung zwischen ESG-Kriterien und finanzieller Performance, wobei ein überwiegender Anteil der Studien positive Ergebnisse zeigt. Noch wichtiger: die positiven ESG-Auswirkungen auf die finanzielle Performance bleibt im Zeitverlauf stabil. Eine besonders hohe Korrelation besteht zwischen ESG und finanzieller Performance für Anlageklassen wie Schwellenländer, Unternehmensanleihen und für grüne Immobilien. Die Befunde beruhen auf einer 2015 publizierten Meta-Analyse eines Teams von Wissenschaftlern, die über 2000 Primärquellen untersucht haben. Ziel dieses Ansatzes war es, die vielen unterschiedlich angelegten Einzelstudien vergleichbar zu machen. Die Ergebnisse stünden im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung unter Investoren, halten die Wissenschaftler fest. Wichtigste Schlussfolgerung der Forscher: Die Ausrichtung auf langfristige, verantwortungsbewusste Investitionen sei wichtig, um die Interessen der Anleger besser mit den allgemeineren Zielen der Gesellschaft in Einklang zu bringen.  Dies erfordere aber ein detailliertes und tiefes Verständnis dafür, wie ESG-Kriterien in Anlageprozesse integriert werden können, um das volle Potenzial wertsteigernder ESG-Faktoren zu nutzen.

Nachhaltig Anlegen

Die LGT unterstützt ihre Kunden dabei, ihr Anlageportfolio nachhaltiger auszurichten. Mit ihren Nachhaltigkeitsfonds investiert die LGT in Unternehmen, Organisationen und Länder, die sich durch ökologische und soziale Kriterien auszeichnen und eine langfristige finanzielle Wertschöpfung erwirtschaften. Mehr Informationen finden Sie hier

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