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Gold Investment: Der schillernde Glanz des Goldes

3. März 2020

Lesezeit: 7min

von Ikram Boulfernane, Financial Economist LGT Capital Partners

golden sportscar

Gold: ist es einfach ein Rohstoff, der schön glänzt oder ist es die ultimative Absicherung und Krisenwährung in ökonomisch prekären Zeiten?

Die Verlangsamung des globalen Wachstums, der internationale Handelsdisput, geopolitische Tumulte, weltweit Spannungen und Aufstände – dies sind nur einige Aspekte, welche die internationale Investoren-Gilde nach Sicherheit streben lässt.

Hinzu gesellen sich das stetig steigende Schuldenmeer und die globale monetäre Sintflut – Tiefst- und Negativzinsen sowie manipulierte Währungen inklusive, die sich wie Maden im Speck durch das Kapitalvermögen und die Altersvorsorge fressen. Die global wichtigen Zentralbanken verkommen zu Gelddruckmaschinen für hochverschuldete Nationen. Das Nachsehen haben Sparer und Investoren. Solche Entwicklungen lassen die Sorgenfalten auf der Anlegerstirn tiefer werden, und um diese ein wenig zu glätten, ist Botox in Form von sicheren Häfen gefragt.

Goldbarren - Symbol der Stabilität für Investoren?

Schuldenpegel, Geldmengen, Tiefzinsen, Währungen – alle relevanten Grössen können von den politischen Akteuren freihändig manipuliert werden. Nicht aber das Gold! Der Rohstoff hat keine Gegenpartei und gilt als sicherer Hafen für Anleger, die keinen Schiffbruch erleiden wollen. Über Jahrtausende hinweg hat Gold jeglichen Krisen getrotzt und gescheiterte Papiergeld-Abenteuer überlebt. Das gelbe Edelmetall kann als Versicherung – inklusive Prämienkalkulation – gegen politische und ökonomische Risiken verstanden werden. Je akuter die Strukturkrise und je trister die Konjunktur, desto brillanter glänzt die fundamentale Stärke des Goldes.

Die Endlichkeit der Goldreserven und die ewige Haltbarkeit des Edelmetalls tragen zu dessen innerem Wert bei.

Als Wertaufbewahrungsmittel hilft es, die Kaufkraft trotz stetig steigendem Preisniveau zu bewahren. Dies lässt sich an den Kosten für Kleider illustrieren. Im alten römischen Reich musste für eine Toga rund eine Unze Gold bezahlt werden. Wer heute einen gutsitzenden Qualitätsanzug erwerben will, dürfte auch so tief in die Tasche greifen. Papiergeld aus dem letzten Jahrtausend hingegen ist wahrscheinlich nicht mal mehr das Papier wert, auf welchem es gedruckt wurde, und kann getrost in die Rundablage entsorgt werden. Im Gegensatz zum Papiergeld kann Gold nicht beliebig produziert werden. Die Endlichkeit der Goldreserven und die ewige Haltbarkeit des Edelmetalls tragen zu dessen innerem Wert bei.

Nachgefragt wird Gold v.a. für die Fertigung von Schmuckstücken sowie als Investitionsinstrument, wozu auch Zentralbankkäufe zählen. Zudem findet das Edelmetall Einsatz im Technologiebereich. China und Indien zählen zu den grössten Konsumenten. Ihre traditionell begründete Nachfrage nach goldenem Schmuck erhöht sich mit dem steigenden Wohlstand. Auch die Nachfrage seitens Zentralbanken ist immens gestiegen. 2018 wurden gar die höchsten Käufe der letzten 50 Jahren verzeichnet. Als Teil der Währungsreserven soll der sichere Hafen helfen, Devisen zu stabilisieren. Hierbei verfolgen die Notenbanken drei Ziele: die Vermögenswerte vor Wertverlust zu schützen, liquide zu halten und Renditen zu generieren.

Münzen oder Gold ETFs - gehört es in Ihr Portfolio?

Der internationale Goldhandel wird hauptsächlich in US-Dollar und Feinunzen abgewickelt. Der Greenback und das gelbe Edelmetall weisen eine tendenziell negative Korrelation zueinander auf. Wenn sich die US-Devise abwertet, entfaltet dies eine stützende Wirkung auf den globalen Goldpreis, da Käufer ausserhalb des USD-Raums den Rohstoff günstiger erwerben können.

Auch Zinsen fungieren als wichtiger Preistreiber. Je tiefer diese fallen, desto tiefer sind die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold, da dessen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber zinsabwerfenden Instrumenten erhöht wird. Denn im Gegensatz zu Aktien und Anleihen resultieren aus Gold weder Dividenden noch Zinserträge. Gewinne lassen sich einzig durch Kursveränderungen erzielen. Das aktuelle Marktumfeld – geprägt von fallenden und gar negativen Realzinsen und dem von Stützungsaktionen süchtigen und alternden Bullenmarkt – schafft favorable Bedingungen für Gold-Engagements.

Als Anlageinstrument eignet sich Gold sehr gut zur Diversifikation eines Portfolios. Die Korrelation des gelben Edelmetalls zu anderen Vermögensklassen ist aufgrund dessen Funktionen als Konsumgut und Investitionsvehikel dynamisch und ändert sich im Laufe des konjunkturellen Zyklus. In guten Zeiten kann sich Gold mit Risikoaktiva wie z.B. Aktien in die gleiche Richtung entwickeln, da mehr Schmuck nachgefragt wird. In schlechten Zeiten tritt der Absicherungsgedanke vermehrt in den Vordergrund, weil Anleger qualitativ hochwertige und liquide Investitionen suchen, um ihr Kapital zu schützen und Verluste zu minimieren.

Somit kann das Edelmetall sowohl die Stabilität eines Portfolios als auch dessen risiko-adjustierte Rendite verbessern. Über den Anteil von Gold im Portfolio lässt sich streiten, doch diverse empirische Studien sehen 1–9% als angebracht. Dies gilt sowohl für risikoaverse Anleger als auch für solche, die bereit sind, mehr Risiken einzugehen. Für institutionelle Anleger dürfte Gold vielmehr als taktisches statt strategisches Element bei der Vermögensallokation eine Rolle spielen.

Gold kaufen - aber wie?

Der internationale Goldmarkt ist äusserst liquid. Der tägliche Handel wird zwischen USD 100-200 Mrd. geschätzt. Wer daran partizipieren will, dem stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung. Anleger können Gold physisch in Form von Münzen, Unzen und Barren erwerben – die älteste und teuerste Variante. Denn wer einen sicheren Hafen ansteuert, muss mit Hafenverwaltungsgebühren rechnen. Es fallen Lagerungs- und Versicherungskosten an. Vom traditionellen Bunkern unter der Matratze ist aufgrund der diversen Gefahren abzuraten, nicht nur, weil Goldbarren und -münzen so hart und unbequem sind.

Eine Alternative wäre auf Exchange-Traded Funds (ETF) zurückzugreifen. Gold-ETFs verfolgen den Preis des Edelmetalls. Die liquiden Finanzprodukte weisen tiefe Transaktionskosten aus und eignen sich daher besonders für Privatanleger. Eine weitere Möglichkeit stellt der Terminmarkt dar, über den Erwerb von Gold-Futures. Dies eignet sich für erfahrene Anleger, die an den Kursen partizipieren wollen, aber nicht an einer physischen Lieferung interessiert sind. Bei einem längerfristigen Engagement müssen Terminkontrakte regelmässig vor Laufzeitende verkauft und solche mit längerer Laufzeit gekauft werden – dies wird als «Rollen» bezeichnet. Eine zusätzliche Option, sich am Goldmarkt zu beteiligen, wäre Wertpapiere von Goldproduzenten zu akquirieren.

Gold hat eine grosse Anhängerschaft, die von Fort Knox bis Entenhausen reicht. Über Jahrtausende hinweg stand dessen innerer Wert ausser Zweifel, was noch heute Gültigkeit besitzt. So wie als chemisches Element im irdischen Periodensystem und als Dekoration der Kuppeln diverser Gotteshäuser im himmlischen Gefüge sollte Gold auch im Portfoliokontext seinen festen Platz haben.

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