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Wie man die Zinssensitivität nutzt

14. Mai 2020

Lesezeit: 5 Minuten

von Sidi Staub

Zinssensitivität von Anleihen

Wenn die Zinsen steigen, sinken die Kurse von Anleihen – und umgekehrt. Worauf Anleger achten sollten.

Eine Anleihe ist ein von Unternehmen oder Staaten ausgegebenes Wertpapier mit einem in der Regel fixen Zinssatz und einer festgelegten Laufzeit. Betrachten wir das Beispiel einer fiktiven Unternehmensanleihe mit einem Ausgabepreis von 100 Euro, einer Laufzeit von acht Jahren und einem fixen Zinssatz von einem Prozent. Der fixe Zinssatz wird bei der Ausgabe einer Anleihe anhand der aktuellen Marktzinsen festgelegt. Der Käufer dieser Anleihe gewährt also dem Unternehmen eine Art Kredit über 100 Euro und erhält im Gegenzug während acht Jahren eine Zinszahlung von je einem Euro. Während der Laufzeit kann der Käufer die Anleihe jederzeit zum aktuellen Kurs am Markt verkaufen. Behält er die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit, wird ihm der Anleihebetrag von 100 Euro zurückbezahlt. Seine jährliche Rendite entspricht dem fixierten Zinssatz und beträgt ein Prozent.

Steigende Marktzinsen

Nehmen wir an, ein anderer Investor möchte die Anleihe dem bisherigen Besitzer nach drei Jahren abkaufen. Diese hätte somit noch eine Restlaufzeit von fünf Jahren. Nehmen wir weiter an, dass die Zinsen an den Finanzmärkten mittlerweile gestiegen sind und das gleiche Unternehmen kürzlich eine neue Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren ausgegeben hat. Beide Anleihen werden somit zum gleichen Zeitpunkt zur Rückzahlung fällig. Wegen der gestiegenen Marktzinsen beträgt der feste Zinssatz der neuen Anleihe jedoch zwei Prozent statt einem Prozent. Der Käufer hat jetzt die Wahl: Er kann entweder die neue Anleihe mit fünf jährlichen Zinszahlungen von je zwei Euro erwerben oder die alte Anleihe mit fünf jährlichen Zinszahlungen von je einem Euro. In einer vereinfachten Rechnung resultiert während der fünf Jahre insgesamt eine Zinsdifferenz von fünf Euro zugunsten der neuen Anleihe.

Um diesen Zinsnachteil aus Sicht des Käufers auszugleichen, gibt es nur eine Lösung: der Kurs der alten Anleihe muss um diese Zinsdifferenz, also um etwa 5 Euro auf 95 Euro sinken. Der Zinsnachteil der alten Anleihe wird dann durch den günstigeren Kaufpreis kompensiert. Das fiktive Beispiel zeigt: Steigt das Zinsniveau, sinken in der Regel die Börsenkurse bestehender Anleihen. Umgekehrt gilt natürlich auch: Sinkt das Zinsniveau, dann steigen die Kurse bestehender Anleihen.

Restlaufzeit ist wichtig

Wie gross der jeweilige Kursverlust oder –gewinn ausfällt, hängt auch stark von der Restlaufzeit einer Anleihe ab. Wir betrachten hierzu zwei Anleihen, von denen die erste eine Restlaufzeit von fünf Jahren und die zweite eine Restlaufzeit von zehn Jahren hat. Bei steigenden Zinsen wird der Kursverlust bei der Anleihe mit der längeren Restlaufzeit wesentlich stärker ausfallen. Der Grund liegt darin, dass sich bei der länger laufenden Anleihe der Zinsverlust während fünf zusätzlichen Jahren auswirkt. Das Gleiche gilt natürlich ebenso bei fallenden Zinsen: Auch hier fällt der Kursgewinn umso stärker aus, je länger die Restlaufzeit ist.

Fazit

Wenn Anleger steigende Zinsen erwarten, sollten sie eher kurzlaufende Anleihen kaufen, bzw. langlaufende Anleihen verkaufen und so die durchschnittliche Restlaufzeit ihres Anleiheportfolios verkürzen. Wenn sie hingegen fallende Zinsen erwarten, sollten sie Anleihen mit hoher Restlaufzeit kaufen, um so von möglichen Kursgewinnen zu profitieren. Sollte ein Anleger unsicher über die weitere Zinsentwicklung sein, kann er auch in einen aktiv verwalteten Anleihefonds investieren: Hier sind die Risiken breit gestreut und die durchschnittliche Laufzeit wird von professionellen Fondsmanagern gesteuert.

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