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Es muss nicht immer Greta sein

17. März 2020

Lesezeit: 10 Minuten

von Gerd Braune, Gastautor

Green Hope Foundation

Als Gründerin einer ökologischen Jugendinitiative vernetzt die 19-jährige Kehkashan Basu junge Aktivisten rund um den Globus.

An ihrem achten Geburtstag pflanzte Kehkashan Basu ihren ersten Baum. Vier Jahre später, im Juni 2012, sprach sie als eine der jüngsten Delegierten auf dem UN-Gipfel «Rio+20» über nachhaltige Entwicklung und gründete in der Folge die «Green Hope Foundation». Damit ist Kehkashan zum Sprachrohr einer Jugend geworden, die sich für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, den Kampf gegen den Klimawandel und für Kinderrechte engagiert. «Wir werden die Zukunft nicht erleben, wenn wir unser Schicksal nicht entschlossen in die eigenen Hände nehmen», sagt die heute 19-Jährige.

Keine Frage des Alters

Kehkashans Name, bei dem das erste h gehaucht ausgesprochen wird, stammt aus dem Persischen und bedeutet sinngemäss «leuchten wie eine Galaxie» oder «Milchstrasse». Kurz vor ihrem achten Geburtstag sieht sie im Fernsehen das Bild eines toten Vogels, dessen Magen mit Plastikmüll gefüllt ist. «Da wusste ich, dass wir etwas tun müssen.»

Ihre Eltern sind ihr Vorbild. «Sie machten mir schon früh vor, keine Lebensmittel wegzuwerfen und bei Wasser und Elektrizität zu sparen.» Nun kommt bei Kehkashan die Entschlossenheit hinzu, den Plastikkonsum zu reduzieren. Sie wirbt bei ihren Nachbarn für den Verzicht auf entsprechende Produkte. Manche hören ihr zu, bei anderen stösst sie auf Ablehnung. «Erwachsene können so zynisch sein, so herablassend. ‹Du bist ein Kind, warum willst du uns belehren?› Das hörte ich mehrmals.»

Das Mädchen aktiviert ihre Freunde. «Sie verstanden, dass es schrecklich ist, dass wir unsere Umwelt so mit Plastikmüll verschmutzen.» Unter Kehkashans Initiative beginnen Kinder in der Nachbarschaft in Dubai eine Kampagne gegen Plastik. Mit Erfolg! Als ein Restaurant verspricht, ganz auf Plastik zu verzichten, und wenig später ein Kosmetiksalon folgt, erleben sie, dass sie etwas bewegen können.

Kehkashan Basu Green Hope Foundation
Stolze Mutter, stolze Tochter: Kehkashans Eltern sind ihr Vorbild.

Über sein Jugendprogramm «Tunza: Acting for a Better World» wird das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) auf Kehkashan aufmerksam: 2011 wird sie zur «Internationalen Tunza Kinder- und Jugendkonferenz eingeladen. «Ich sprach mit Tausenden jungen Leuten aus aller Welt darüber, wie Jugendliche zur Erhaltung unserer Umwelt beitragen können. Das war mein erster Schritt auf die internationale Bühne.»

Viele weitere Schritte folgen. 2012 fliegt Kehkashan nach Rio de Janeiro zum Umweltgipfel «Rio+20». Bei einer Pressekonferenz spricht sie über den Kampf gegen Wüstenbildung und Dürrekatastrophen. Im Kreise all der Regierungschefs und Staatsoberhäupter, die über die Zukunft des Planeten debattieren, wird ihr bewusst, dass ein wichtiges Segment der Bevölkerung fast völlig fehlt.

«Wir sind die Zukunft. Die Erwachsenen sprachen über die Zukunft, aber die künftigen Generationen waren nicht dabei. Als ich nach Dubai zurückkehrte, war mir klar: Junge Leute müssen handeln.» Mit einigen Freunden gründet Kehkashan am 12. August 2012, am Internationalen Tag der Jugend, die «Green Hope Foundation» als Plattform für junge Menschen, die sich für den Umweltschutz engagieren wollen.

15000 Bäume gepflanzt

Als eco-warriors, als Öko-Kämpfer oder -Krieger, bezeichnen sich die jungen Aktivisten. Zu ihren Kampagnen gehören Projekte vor Ort wie die Beseitigung von Müll an Strassen, Flüssen und Seen, die Pflege von bedrohtem Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Ausflüge, die Menschen die Umwelt näherbringen, Aktionen in den sozialen Medien – und immer wieder das Pflanzen von Bäumen. «Wir haben bisher weltweit mehr als 15000 Bäume gepflanzt», sagt Kehkashan.

Sie setzen sich gegen Bodenzerstörung, die sogenannte Bodendegradation, ein, für nachhaltige Produktion und bewussten Konsum, für die Nutzung alternativer Energien und den Verzicht auf fossile Brennstoffe. In bis zu eintägigen als Workshops konzipierten «Umweltakademien» geben die jungen Leute ihre Überzeugungen an andere Jugendliche weiter. Als Leitschnur fürs Handeln dienen die von den UN beschlossenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die «Sustainable Development Goals».

Kehkashan Basu Green Hope Foundation

Kehkashan lebt in Toronto, ist aber mindestens zweimal im Jahr in Dubai. Hinzu kommen Termine bei internationalen Treffen, denn die junge Frau ist nicht nur Gründerin von «Green Hope». Bereits 2013 wird sie von UNEP für zwei Jahre zur «Koordinatorin für Kinder und Jugendliche» gewählt. Sie ist einer der 22 «Human Rights Champions», die sich für die UN-Menschenrechtscharta einsetzen, sowie Mitglied im «World Oceans Day Youth Advisory Council» zum Schutz der Meere.

Für den in Hamburg ansässigen «World Future Council» (Weltzukunftsrat) fungiert Kehkashan als Jugendbotschafterin. Als 16-Jährige spricht sie im März 2017 vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf über Klimawandel und die Rechte der Kinder und im November desselben Jahres auf der UN-Klimakonferenz COP 23 in Bonn. Für ihre Arbeit wird sie 2016 mit dem «International Children’s Peace Prize» und 2017 mit dem «National Energy Globe Award» ausgezeichnet.

Im September 2018 appelliert Kehkashan für den Weltzukunftsrat, der sich als «Stimme künftiger Generationen» versteht, auf der UN-Konferenz für nukleare Abrüstung an die Regierungen der Welt, auf eine Zukunft ohne Atomwaffen hinzuarbeiten. Der Rede in New York folgen im Herbst 2018 Auftritte bei der «One Young World»-Konferenz in Den Haag, danach auf dem «Parlament der Weltreligionen» in Toronto und wenig später in Helsinki auf dem «Hundred Innovation Summit», auf dem die hundert interessantesten und inspirierendsten Erfindungen und Ideen in den Bereichen Ausbildung und Erziehung für Kinder und Jugendliche vorgestellt und ausgezeichnet werden. Unter den Preisträgern: Kehkashan Basu und «Green Hope».

Kehkashan Basu Green Hope Foundation
"Wir haben das Recht, unser eigenes Schicksal zu bestimmen."

Sich mit Leidenschaft für diesen Planeten einzusetzen, ist Kehkashans Leitschnur. «Wir haben das Recht, unser eigenes Schicksal zu bestimmen», sagt sie. Immer wieder kommt sie auf die Motivation für ihr Handeln zurück. «Wenn wir uns nicht um die Gegenwart kümmern, haben wir keine Zukunft. Man ist niemals zu jung, um etwas zu erreichen.» Engagement statt Gleichgültigkeit fordert sie von Jung und Alt; sich stets die Frage zu stellen, welche Auswirkungen unser Handeln auf diesen Planeten hat. «Jeder kleine Schritt zählt.»

Bilder: Chris Thomaidis

Die 2012 von der damals zwölfjährigen Kehkashan Basu in Dubai gegründete «Green Hope Foundation» versteht sich als Jugendorganisation, die sich für nachhaltige Entwicklung und bewussten Lebensstil, Umweltschutz, Frieden, Gleichberechtigung und Kinderrechte einsetzt. Mittlerweile ist «Green Hope» in zwölf Ländern mit insgesamt über 1000 Mitgliedern aktiv – darunter Kanada, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Surinam und Chile. Die Organisation finanziert sich aus privaten Spenden.

Dieser Beitrag ist erstmals im LGT Kundenmagazin CREDO erschienen.

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