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Plastik: mehr Fluch als Segen

6. Februar 2020

Lesezeit: 7 Minuten

von Simon Usborne (Gastautor)

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Vor Jahrzehnten als bedeutende Errungenschaft gefeiert, ist Plastik längst zum grössten Problem in unseren Ozeanen geworden.

Jahrzehntelang war Plastik für uns ein Wunder unserer Genialität – und ein Meisterwerk der Fabrikation: Mit wenig Öl wurde eine Vielzahl an Gegenständen hergestellt, die unser Leben entscheidend verbesserten. Wir feierten nicht nur seine Funktionalität in unseren Küchen, Autos oder Schränken, sondern auch seine Verfügbarkeit. Eine heute kurios anmutende Fotografie aus einem Life Magazin von 1955 zeigt eine Familie, die Haushaltsprodukte in die Luft wirft. Die triumphierende Schlagzeile: "Throwaway Living", also "Wegwerf-Wohnen". 

Die Schlagzeilen dieses Jahrzehnts sehen ganz anders aus. Kunststoff ist aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken – und zunehmend wird man sich seiner verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt bewusst. Wir produzieren und werfen mehr Plastik weg als je zuvor. 340 Millionen Tonnen Kunststoff werden weltweit jedes Jahr hergestellt – genug, um alle Wolkenkratzer Manhattans zu füllen.

12 Millionen Tonnen Plastik

Im Fokus unserer Sorgen stehen mittlerweile die Ozeane. Dort wächst sich unsere weltweite Plastikabhängigkeit zu einer Katastrophe aus. 12 Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr in unsere Weltmeere. Wissenschaftler rechnen damit, dass sich diese Zahl bis 2025 verdoppeln wird. Grössere Kunststoff-Teile – darunter Plastiktaschen, die wie giftige Quallen im Meer treiben – sammeln sich durch die Strömungen zu grossen zusammenhängen Flächen. Dreimal so gross wie Frankreich ist eine davon.

100 Kilogramm Plastik wurden aus dem Magen eines Pottwals geschnitten, dessen Kadaver in Schottland ans Ufer geschwemmt wurde.
100 Kilogramm Plastik wurden aus dem Magen eines Pottwals geschnitten, dessen Kadaver in Schottland ans Ufer geschwemmt wurde.

Winzige Plastikfragmente, sogenanntes Mikroplastik, werden von Meerestieren verschluckt. Von dort wandern sie in die Organe und das Fleisch der Tiere und verursachen Mutationen oder Tod. Im vergangenen Dezember wurden 100 Kilogramm Plastik und andere Abfälle aus dem Magen eines Pottwals geschnitten, dessen Kadaver in Schottland ans Ufer geschwemmt wurde. Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass mindestens die Hälfte der weltweiten Bevölkerung Mikroplastik in ihrem Verdauungssystem hat. Die langfristigen Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind unklar.

Von zu Hause ins Meer

Nur wenn man diesen Verlauf versteht, kann man Antworten finden, um ihn aufzuhalten. Aber das ist kein Leichtes. Plastik erreicht unsere Wasserläufe sowohl auf direktem als auch auf indirektem Weg. Es entweicht – auf dem Weg von der Mülltonne, über die Müllabfuhr zur Mülldeponie – aus unserem Abfallkreislauf oder wird durch Regenwasser in unsere Bäche gespült. Auch die illegale Müllentsorgung trägt zur giftigen Kaskade bei. 

Von Strassen und Wegen, Mülldeponien und Abwasserkanälen gelangt das Plastik über unsere Bäche und Flüsse ins Meer.
Von Strassen und Wegen, Mülldeponien und Abwasserkanälen gelangt das Plastik über unsere Bäche und Flüsse ins Meer.

Und ein Grossteil von dem Plastik in unseren Ozeanen beginnt seine Reise in unseren Abflüssen. Mikroplastik aus unseren pharmazeutischen oder unseren Hygieneprodukten durchlaufen unsere Kläranlagen und gelangen ins Meer. Jedes Mal, wenn wir unsere synthetische Kleidung in die Waschmaschine stecken, werden Millionen von Mikropartikeln herausgewaschen. Auch unsere Autos verlieren mit jedem Kilometer, den wir fahren, Plastik.

Auswege aus der Plastikwelle

Was sollen wir also tun? Plastik ist unbestritten ein genialer Stoff. Aber wir sollten weniger davon verwenden und weniger verschwenden. In der Öffentlichkeit steht verständlicherweise vor allem Einwegplastik in Form von Strohhalmen, Wasserflaschen oder Kaffeebechern am Pranger. Im Vergleich zur gesamten Flut an Plastik-Abfällen mag das nur ein Tropfen auf dem heissen Stein sein. Aber solche Kampagnen bringen uns dazu, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen – und zwar sowohl auf Ebene der Entscheidungsträger globaler Lieferketten als auch in der breiten Öffentlichkeit. 

Unternehmen und Hersteller werden durch eine öffentliche Welle der Besorgnis und durch neue Gesetze gezwungen, nach innovativen Alternativen zu suchen. Und die Recyclingraten steigen – wenn auch nicht überall und nicht schnell genug. Die Modeindustrie sucht nach Auswegen aus der Wegwerfkultur, die tief in ihre Geschäftsmodelle eingewebt ist. Und Lösungen für mehr Nachhaltigkeit vervielfachen sich mittlerweile – sei es in Recyclinganlagen, bei der Entwicklung neuer Materialen im Labor oder in Gesprächen am Küchentisch. Das Ziel: das Zeitalter der "Wegwerf-Wohnens" in die Geschichtsbücher zu verbannen.

Das Thema Plastik ist nicht das einzige Umweltproblem, mit dem die Welt derzeit zu kämpfen hat. Wenn wir es nicht schaffen, unsere CO2-Emissionen in den nächsten Jahren massiv zu verringern, rechnen Experten mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit. Unsere Gesellschaft steht also vor grossen Herausforderungen. Die LGT ist davon überzeugt, dass alle ihre gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung wahrnehmen und einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten müssen. Die LGT tut dies in unterschiedlichen Bereichen – in welchen, sehen Sie hier.

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