Skip navigation Scroll to top
LGT
VALUES WORTH SHARING
Scroll to top

Wie Sie eine Geschäftsidee mit Potential entwickeln

7. April 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Ellen Sheng, Gastautorin

Founder Sukhi Jutla and her colleagues of start-up Market Orders.

Unternehmer und Investoren erzählen davon, wie sie herausfinden, ob sich eine Geschäftsidee wirklich erfolgreich realisieren lässt.

Sally Kim, die Gründerin von Crushed Tonic, wusste, dass sie auf der richtigen Spur war, als ihre Freunde nicht genug von ihrem Kollagenpulver bekommen konnten.

Aufgrund eines Unfalls mit einer Fritteuse hatte sie schlimme Verbrennungen am Arm. Die üblichen Lösungen und Salben halfen kaum gegen die Narben und so überlegte sie sich, ihre Ernährung umzustellen. Sie ergänzte ihren Speiseplan mit Kollagen und bemerkte nach einigen Wochen eine dramatische Verbesserung ihrer Haut.

"Das veränderte mein Leben. Ich musste nur jeden um mich herum dazu bringen, es auch zu trinken", sagt sie. Sie liess Freunde kleine Portionen ihrer Kollagenrezeptur, gemischt mit Probiotika und Superfood wie Matcha, probieren. Die Nachfrage liess nicht nach und so suchte sie sich einen Produzenten – Crushed Tonic war geboren. Mittlerweile wird die Mischung online und bei Sephora, Equinox und Kith verkauft.

Unternehmer gründen jedes Jahr Millionen neuer Firmen. Einige haben Erfolg, viele nicht. Warum starten manche Unternehmen durch, während andere nie wirklich Tritt fassen? Es gibt zwar keine Zauberformel, aber erfolgreiche Unternehmen haben einige Gemeinsamkeiten.

Sally Kim combines probiotics, superfood and collagene.
Sally Kim präsentiert ihre Kombination aus Kollagen, Probiotika und Superfood bewusst anders (Photo: Cason Latimer und McKenzie Thompson).

Ein bestehendes Problem lösen

Dan Conner, General Partner bei Ascend Venture Capital, hat in den letzten 18 Monaten wohl 5000 Deals überprüft.

"Man muss sehr wählerisch sein und ein breites Wissen aufbauen, um Unternehmen schnell prüfen zu können", sagt er. Conner grenzt das Feld ein, indem er auf drei Hauptkriterien achtet: das Wettbewerbsumfeld, die Nachfrage am Markt und die Branche insgesamt.

Wenn ein Startup in einen besonders wettbewerbsintensiven Markt eintritt, muss es sich in irgendeiner Weise von anderen abheben.

Kim war sich des grossen Wettbewerbs in ihrer Branche bewusst. Was Crushed Tonic so besonders mache, sei die Kombination von Nahrungsergänzungsmitteln, Superfood und Probiotika mit Kollagen, so die Gründerin. Ausserdem sei die Verpackung geschlechtsneutral und luxuriös, während die meisten Kollagenpulver in grossen Plastikbehältern geliefert werden.

"Dies ist ein Produkt mit hohem Qualitätsanspruch. Die meisten Menschen würden sich wohl nicht über einen Kübel Proteinpulver zum Geburtstag freuen. Unsere Kunden verschenken aber Crushed Tonic", so Kim.

Genauso wichtig ist es, ein bestehendes Problem zu lösen.

"Man sollte nie das typische Startup sein, das ein Problem für seine Lösung sucht. Warum einen Ferrari bauen, wenn die Welt nur einen Toyota braucht", sagt Derek Kwik, geschäftsführender Partner bei Brave Soldier Venture Capital.

Wenn Kwik sich Pitches anschaut, sucht er nach Antworten auf Fragen wie: Welche dringenden Bedürfnisse sollen damit gelöst werden? Ist diese Lösung so überzeugend, dass Nutzer zu Kunden werden, oder ist es ein Nice-to-have? Ebenso wichtig sind das Timing und die Kaufbereitschaft. 

Viele Startups bieten graduelle Verbesserungen für ein bestehendes Problem an. Wenn dies nur einen kleinen Teilbereich eines Marktes betrifft, dann gibt es zu viele Restriktionen, was die Nachfrage einschränkt, so Conner. Die Situation einer Branche ist ein weiterer Gesichtspunkt. Befindet sie sich in einer rasanten Transformation, kann dies neue Möglichkeiten eröffnen – und gleichzeitig andere verhindern.

Nicht jeden Ratschlag befolgen

Gründer von Start-ups sollen sich viel mit potenziellen Kunden austauschen – so der traditionelle Ratschlag. Das Feedback der Klienten ist wertvoll, um eine Idee zu formen und zu verfeinern. In einigen Branchen helfen gerade diese ersten Kunden, ein Startup zu etablieren.

Aber mit potenziellen Kunden zu sprechen ist ein zweischneidiges Schwert, wie Sukhi Jutla, Gründerin von Market Orders, erlebt hat. Ihre Geschäftsidee war ein Online-Marktplatz, ähnlich wie Amazon oder Alibaba, für den Gold- und Diamanthandel. Sie solle sich an Leute in der Branche wenden, hiess es – was sie auch tat. Sie sprach mit sehr erfolgreichen Branchenvertretern, aber die Reaktionen waren keineswegs das, was sie sich erhoffte.

"Sie konnten nicht verstehen, was ich tun wollte. Meine Geschäftsidee bedrohte ihre Geschäfte, und sie wollten nichts davon wissen", sagt sie.

Wäre sie diesen Ratschlägen gefolgt, hätte sie nicht weitergemacht. Jutla hatte aber Vertrauen in ihre Businessidee und blieb hartnäckig. Der Gold- und Diamantenhandel ist von der Digitalisierung relativ unberührt. Kleine unabhängige Juweliere, die 90 Prozent des Marktes ausmachen, kaufen weiterhin persönlich auf Messen Gold und Diamanten. Oft bezahlen sie sogar in bar. Jutla wollte mit dem Online-Marktplatz Anbieter und unabhängige Juweliere miteinander verbinden. Für Transparenz sollte die Blockchain sorgen.

Start-up Gründerin Sukhi Jutla von Market Orders.
Start-up Gründerin Sukhi Jutla von Market Orders (Photo: The Startup Van).

In ihrem Fall war es ein Vorteil, als "Aussenseiter" die Branche von einer neuen Perspektive zu betrachten, ist Jutla überzeugt. "Ich habe innerhalb des Bankwesens im technischen Bereich gearbeitet, sodass ich die Dinge anders sehen konnte", sagt sie. Die Brancheninsider hingegen sind die bestehenden Probleme gewohnt und halten sie für normal.

Market Orders ist Jutlas dritter Anlauf, ihre Vision eines Online-Marktplatzes umzusetzen. Mittlerweile hat sie einen Sinneswandel bei den jüngeren Juwelieren bemerkt. Wenn sie ein Familienunternehmen übernommen haben, wollen sie auch in der Lage sein, online einzukaufen. Weil sie nicht aufgegeben oder auf Pessimisten gehört hat, kann sie nun den richtigen Moment erwischen: Ihrer Meinung nach erfasst die Digitalisierung jetzt den Markt. "Bis ich den "Sweet Spot" getroffen hatte, musste ich viele Kämpfe ausfechten und Hindernisse überwinden", sagt sie.

Negatives Feedback kann wertvoll sein. Unternehmer müssen aber in der Lage sein, das Feedback einzuordnen und dabei im Auge zu behalten, wer das Feedback aus welchem Grund gibt.

"Gut möglich, dass Leute deine Ideen verwerfen und Ratschläge erteilen, die alle Hoffnungen zunichtemachen. An solche Leute zu geraten ist fast unvermeidlich. Einige denken wirklich, sie seien hilfreich, oder sie wollen einfach ihr eigenes Ego polieren, oder sind einfach geringschätzig. Dann dreht man ihnen am besten den Rücken zu und verlässt sich auf das eigene Wissen ", so Conner.

Bleib dran

Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt.

Mike Tyson

Die ersten Jahre eines Unternehmens sind bekanntermassen schwierig. Erfolgreiche Gründer brauchen mehr als eine gute Idee. Sie müssen auch in der Lage sein, diese Idee umzusetzen und Flexibilität zu zeigen, wenn unvermeidliche Hindernisse in die Quere kommen. 

"Mike Tyson hat einmal gesagt: 'Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt'. Es ist dieser angeborene Überlebensmechanismus der mir Einblick in den Charakter einer Person gibt", sagt Kwik, der bei Unternehmern auch nach einem gut durchdachten Plan B sucht.

Genauso wichtig wie die Idee ist der konkrete Umsetzungsplan, ebenso wie die Zuversicht und Ausdauer, die es braucht, um Rückschläge wegzustecken.

"Es kommt auf den Instinkt an. Ich war schon immer sehr konsequent in dem, was ich will", sagt Kim. Sie sei gewohnt, Grenzen zu überschreiten, insbesondere wenn es darum gehe, was sie als junge Frau erreichen könne oder nicht. "Ich sah es immer als meine Aufgabe an, ihnen zu beweisen, dass sie sich irren – und diese Grenzen zu überwinden", sagt Kim. Sie hatte Schwierigkeiten mit Herstellern, die sie nicht ernst nahmen und ihre Entscheidungen anzweifelten. Das hätte andere Unternehmer vielleicht entmutigt, aber angesichts dessen, was sie gewohnt war, dachte Kim: " Das ist kinderleicht."

Take-aways

  • Löst Ihre Business-Idee ein bestehendes Problem? Die Geschichte ist voller gescheiterter Unternehmen, weil sie ein Problem suchten, das sie lösen wollten. Investoren und Kunden suchen nach innovativen Lösungen für bestehende Probleme. 
  • Welches Feedback geben potenzielle Kunden, Investoren, …?  Frühes Feedback, insbesondere von Kunden, kann für die Optimierung Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistung entscheidend sein.
  • Sind die Ratschläge konstruktiv? Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, wenn Sie widersprüchliche Rückmeldungen bewerten. Bedenken Sie, dass andere eigene Absichten haben und diese möglicherweise nicht mit Ihren übereinstimmen.

Titelbild: Market Orders.

Entrepreneurs aus Tradition

Jeder Gründer eines Start-ups muss einen gewissen Unternehmergeist mitbringen um erfolgreich zu sein. Das Fürstenhaus Liechtenstein als Eigentümerin der LGT ist seit Jahrhunderten erfolgreich unternehmerisch tätig. Damit ist unternehmerisches Denken und Handeln fest in der DNA der LGT verankert.

Mehr vom LGT Online Magazin?

Hinterlassen Sie Ihre E-Mail-Adresse und erhalten per Newsletter regelmäßig das Aktuellste vom LGT Online Magazin.
Newsletter abonnieren