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LGT Investorama: Herausforderung Diversifikation

6. Juli 2017

Das extrem niedrige Zinsniveau markiert einen Ausnahmezustand, in dem sich Anleger nicht mehr auf stabile Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen verlassen können. Eine Beimischung von alternativen Anlagen in einem klassischen Portfolio bringt gleich mehrere Vorteile mit sich.

Der Begriff „Korrelation“ steht für das Verhältnis der Renditeentwicklung verschiedener Anlageklassen zueinander. Steigt und sinkt deren Rendite unter jeweils denselben Marktbedingungen, entwickeln sie sich also gleichgerichtet, ist die Korrelation positiv. Wichtiger für das Verwalten eines effizienten Portfolios ist allerdings die negative Korrelation. Im Idealfall könnten sich Schwankungen von Anlagen in einem Portfolio komplett ausgleichen, wenn sie sich immer exakt gegenläufig verhielten.

In den vergangenen Jahren konnten Investoren von der Kombination aus fallenden Zinsen und steigenden Aktienkursen profitieren, was Investitionen in traditionelle Multi-Asset-Strategien geradezu beflügelte. Durch das Fluten der Märkte mit Liquidität wurden nicht nur die Aktienmärkte mit viel Rückenwind unterstützt, sondern auch die Anleihenmärkte sahen eine noch nie da gewesene Nachfrage von Käufern, die nicht nur gewillt, sondern geradezu gezwungen wurden, Rentenpapiere zu Höchstpreisen zu kaufen. Zusätzlich erleichterte die negative Korrelation von Aktien und Staatsanleihen in den vergangenen 20 Jahren die Risikodiversifikation, was die traditionellen Gemischtfonds auch risikoadjustiert gut aussehen liess. In der Konsequenz lieferte ein simpel aufgebautes Portfolio, welches lediglich und ganz klassisch die eine Hälfte in Aktien, die andere Hälfte in Staatsanleihen investierte, hervorragende Resultate.

In den kommenden Jahren wird sich das Kapitalmarktumfeld allerdings deutlich von dem unterscheiden, was wir gewohnt sind und vielleicht inzwischen schon fast für normal halten. Das extrem niedrige Zinsniveau markiert einen Ausnahmezustand, in dem sich Anleger nicht mehr auf stabile Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen verlassen können. Anlegern, die das Aktienrisiko nicht mehr tragen können, bietet ein Rückzug in Anleihen keinen Ausweg. In der Phase einer global bevorstehenden Zinswende können Anleihen vermehrt über Jahrzehnte unbekannte Zinsrisiken bergen, mit denen sie bereits temporär im Jahr 2015 auf sich aufmerksam gemacht haben. Die damals beobachtete positive Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen wird künftig an Häufigkeit und Ausprägung zunehmen, was Anlass zur Wachsamkeit gibt.

Angesichts der zukünftigen Herausforderungen hinsichtlich effizienter Diversifikation liegt es nahe, dass Investoren verstärkt Ausschau nach alternativen Anlageklassen halten. Um diese Anlageklassen besser zu verstehen, hilft es, die Sichtweise zu ändern. Investoren erwarten, für das Eingehen von Risiken entschädigt zu werden. Sie erhalten Risikoprämien, die als Differenz zwischen Ertrag und risikolosem Zins definiert sind. Beispielsweise dient die erwartete Rendite einer Investition in Unternehmensanleihen der Kompensation für Zins-, Bonitäts- und Liquiditätsrisiken. Und in Anlehnung an das zuvor beschriebene Marktumfeld sind die Prämien für Aktien-, Zins- und Bonitätsrisiken aktuell eher niedrig.

Alternativen Investments anderseits liegen andere Risikoprämien zugrunde. Ein grosser Block davon entfällt auf illiquide Anlagestrategien. Dazu zählen Investitionen in Private Equity, Realwerte, Private ILS oder auch gewisse Hedge Funds. Geht es beispielsweise bei Private Equity darum, eine zusätzliche Illiquiditätsprämie zu verdienen, ist das Ziel von Private ILS oder auch gewissen Hedge-Fund-Strategien, absolut marktunabhängige Renditen zu erwirtschaften. Mathematisch sind damit Erträge gemeint, die gering oder sogar negativ mit den Erträgen traditioneller Anlageklassen - im Wesentlichen Aktien und Anleihen - korreliert sind.

Die Beimischung von alternativen Investments als strategische Bestandteile in ein klassisch orientiertes Portfolio bringt mehrere Vorteile mit sich: Erstens sind traditionelle Risikoprämien im aktuellen Marktumfeld niedrig. Alternative Risikoprämien bieten möglicherweise ein höheres Ertragspotenzial. Zweitens stehen die Diversifikationseigenschaften von Anleihen aktuell auf dem Prüfstand. Als sicher geltende Staatsanleihen sind darüber hinaus sehr teuer. Drittens leiden traditionelle Portfolios mehr darunter, wenn Zinsen steigen oder die Aktienmärkte korrigieren. Beides Szenarien, welche sowohl nach dem 35-jährigen Bullmarkt für Anleihen, wie auch der 8 Jahre laufenden Aktienhausse, nicht ganz zu vernachlässigen sind. Viertens lassen sich mit alternativen Investments auch in Marktphasen Gewinne erzielen, in denen z.B. Aktien Verluste erleiden.

Die massiven Einwirkungen der Zentralbanken zur Abwendung einer Deflationsgefahr haben sowohl die Anleihen- wie auch die Aktienmärkte gleichsam begünstigt und deren Korrelation de facto künstlich beeinträchtigt. Die einsetzende Zinswende, erhöhte Bewertungen in den entwickelten Aktienmärkten und geopolitische Unsicherheiten werden wohl das Marktumfeld der kommenden Monate bestimmen, womit die Bedingungen für Investitionen in lediglich traditionelle Anlageklassen ungünstig sind und die Anforderungen an eine effiziente Diversifikation steigen. Die Renditeperspektive alternativer Anlagen ist in diesem Umfeld aber nur bedingt betroffen. Zudem bietet die Analyse der Risikofaktoren Einblicke in die wahren Risiko- und Ertragsquellen eines Portfolios. Alternative Anlagen können das Klumpenrisiko innerhalb des Portfolios reduzieren. Die grösste Herausforderung beim Beimischen beziehungsweise Beurteilen alternativer Investments besteht darin, das heterogene Angebot zu überblicken. Eine alternative Strategie im Detail zu verstehen und ihre Wechselwirkung mit traditionellen Anlagen richtig einzuschätzen, erfordert Sachkenntnisse. Oft sind die Risiken alternativer Investments nicht auf den ersten Blick ersichtlich, was zu Fehleinschätzungen und Enttäuschungen führen kann. Wenn die Risiken richtig beurteilt werden, lassen sich höhere Renditen und eine bessere Diversifikation erreichen. 

Antonio Ferrer
Portfolio Manager Princely Strategy

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