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Noch eine gute Saison

28. Juli 2011
Das Problemthema 'Staatsverschuldung' in den USA und in Europa lastete in letzter Zeit wieder auf den Märkten. Jenseits der besorgniserregenden Schlagzeilen übertreffen die US-Firmenergebnisse weiter die Erwartungen. Sofern wir nicht durch eine grosse politische Fehlentscheidung überrascht werden, dürften Aktien daher in den meisten Märkten früher oder später zu neuen Höchstständen ausbrechen.

Die Ergebnissaison kommt weltweit in Schwung
Die Geschäftsberichtssaison für das zweite Quartal 2011 läuft in den USA seit bald drei Wochen und kommt in Europa gerade in Schwung. China und Japan werden bald folgen. Die ersten Anzeichen aus den USA sind positiv, insbesondere auch in Brachen, die von Investitionstätigkeit und Industrienachfrage abhängen. Das Umsatzwachstum hat sich stärker als erwartet beschleunigt, obwohl sich das Wirtschaftswachstum in den USA und anderswo abgeschwächt hat. Das Gewinnwachstum je Aktie hat dabei den Konsenswert deutlicher übertroffen als das Umsatzwachstum. Die Gewinnmargen sind
damit trotz einiger skeptischer Analystenstimmen tendenziell weiter gestiegen. Dies gilt in erster Linie für die verarbeitenden Industriebranchen und die Informationstechnologie (inklusive Softwarebereich). Die Anzahl der positiven Ergebnisübertreffungen ist wieder auf das durchschnittliche Niveau der aktuellen Hausse geklettert. Die anhaltende Ergebnisverbesserung findet zudem nicht in einzelnen Sektoren sondern auf breiter Basis statt.

Profitabilität macht weiter Fortschritte und bleibt unterschätzt
Rund 35% der S&P 500-Mitglieder haben bisher Ergebnisse veröffentlicht. Der Gewinn je Aktie (EPS) übertraf das Vorjahresniveau um 18,2 Prozent und den Erwartungswert um 7,5 Prozent. Wachstumsvorreiter waren die Branchen Basismaterialien, Energie, Informationstechnologie und Industrie. Bei den Überraschungen führten Informationstechnologie, Finanzunternehmen, zyklischer Konsum und Gesundheitswesen. Das Umsatzwachstum war in allen Sektoren höher als erwartet und mit Ausnahme der Finanzbranche überall positiv. Der anhaltende Entschuldungsprozess belastet das Kreditgeschäft. Konjunkturabhängige Sektoren lieferten erneut die besten Ergebnisse aber defensive Sektoren liefern nun auch bessere Ergebnisse als in den Vorquartalen - die Konjunktur hat auch die weniger zyklischen Segmente der Wirtschaft erreicht.

Gewinnwachstum auf breiter Basis über langfristigem Durchschnitt
Das EPS-Wachstum hat sich gegenüber dem Spitzenwert von 80% zu Beginn der Hausse im Jahr 2009 verlangsamt, bleibt aber deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Der Anteil der positiven Überraschungen ist auf ca. 74 Prozent gestiegen. Der Durchschnitt seit Beginn der Hausse liegt bei etwa 73 Prozent. Während des Bullenmarkts von 2003 bis 2007 lag der Schnitt bei knapp 67 Prozent.

Starke Berichtssaison und positive Preissignale des Marktes
Marktsignale hatten im Vorfeld bereits eine weitere gute Berichtssaison suggeriert. Insbesondere in den USA hat die Börse signalisiert, dass die wirtschaftlichen Aussichten positiv bleiben oder sich vielleicht aufhellen könnten, obwohl die Problematik um die öffentliche Verschuldung die Unsicherheit gleichzeitig erhöht hat. Trotz dieser Unsicherheit haben Börsensegmente, die typischerweise steigen, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern, erst kürzlich historische Höchststände erreicht:
Der Dow Jones Transportation schaffte dies am 7. Juli, der S&P 600 Small Cap folgte am nächsten Tag.
Wichtig ist, dass sich auch die Marktbreite verbessert hat. Die Anzahl der steigenden Aktien ist nämlich gleichzeitig weiter gestiegen. Erwähnenswert ist auch, dass der Nasdaq 100 Index erst am Freitag ein neues zyklisches Hoch erreicht hat.

Fundamental Daten bedeuten nicht, dass schwache Nachfrage der Industrie in den USA
Wirtschafts- und Unternehmensdaten implizierten auch keine deutliche Wirtschaftsverlangsamung in den kommenden Monaten. Im verarbeitenden Bereich geht es der US-Wirtschaft weiter gut. Darüber hinaus haben auch Unternehmen, die in sehr hohem Mass vom Heimatmarktgeschäft abhängen, sehr positiv überrascht, wie beispielsweise Stahlhersteller Nucor (Umsatzanteile: 97% USA, 3% Kanada). In seinem Ausblick warnte Nucor ausserdem von zunehmenden Stahlimporten. Diese ausländische Konkurrenz mag aus Firmensicht unwillkommen sein, verweist aber auch auf eine gute Nachfrage aus der Industrie in den USA. Ebendieser Sachverhalt spiegelt sich auch in den guten Ergebnissen und steigenden Kursen von Firmen mit geringer Marktkapitalisierung, welche ebenfalls stark vom Heimatmarkt anhängen. So dürfte die Hausse trotz der viel diskutierten Schuldenprobleme in den USA und Europa intakt bleiben.