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LGT Navigator: Kampfansage der Fed

24. März 2020

Die US-Notenbank (Fed) feuert aus allen Rohren und kündigte ein Wertpapierkaufprogramm in unbegrenztem Umfang an, um die Wirtschaft zu stützen und das Finanzsystem zu stabilisieren. Die Aktienmärkte reagierten umgehend positiv auf die Ankündigung der Fed. An der Wall Street zeigten sich Anleger jedoch enttäuscht, dass das US-Parlament keine Einigung für ein versprochenes Billionen schweres Rettungspaket erreichen konnte. In Asien hingegen legten die Aktienindizes kräftig zu und die Futures-Märkte signalisieren eine positive Eröffnung an Europas Börsen.

Kampfansage der US-Notenbank (Fed)

Die Federal Reserve stemmt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Coronavirus-Pandemie, respektive deren immensen volkswirtschaftlichen Schaden. Nachdem die Fed bereits die Leitzinsen auf Null gesenkt hat, will die Fed nun US-Staatsanleihen und staatlich garantierte hypothekenbesicherte Wertpariere in «unlimitiertem Ausmass» aufkaufen. Ausserdem will die Fed indirekt den Kauf von Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) tätigen und darüber hinaus entsprechende börsengehandelte Fonds (ETF) über ein spezielles Vehikel erwerben. Zudem werde die Zentralbank mehrere Kreditprogramme in Höhe von USD 300 Mrd. auflegen, mit denen Unternehmen und Privathaushalte gestützt werden sollen. Die gestern angekündigten zusätzlichen Massnahmen begründete US-Notenbankchef Jerome Powell mit dem zu erwartenden massiven Schaden für die US-Wirtschaft. Damit sollen Arbeitsplatz- und Einkommensverluste begrenzt und die rasche konjunkturelle Erholung nach der Krise unterstützt werden.

Politischer Grabenkampf um US-Hilfsprogram

In Washington kämpfen die verfeindeten Republikaner und Demokraten weiterhin um die Details für ein umfassendes Hilfspaket, dass mindestens eine Billion US-Dollar schwer sein soll. Die Demokraten blockieren derzeit eine Einigung, da sie befürchten, die Gelder könnten auch an falsche Adressen, wie grosse Multi-Unternehmen gelangen – ähnlich wie während der Finanzkriese 2008/09.

Die Reaktionen an den internationalen Börsen könnten unterschiedlicher nicht sein: An der Wall Street zeigten sich die Investoren enttäuscht über die Grabenkampfes im US-Kongress. Der Dow Jones Industrial und der breite S&P 500 schlossen rund -3% tiefer als am Vortag. Die asiatischen Aktien konnten heute hingegen dank dem Rückenwind der Notenbanken kräftig zulegen. In Tokio notiert der Nikkei 225 rund +7% im Plus und in Hong Kong handelt der Hang Seng mit einem Tagesplus von etwa +3.8%.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreifen die Regierungen in Europa unterdessen immer schärfere Massnahmen. Nach langem Zögern verhängte auch Grossbritannien eine Ausgangssperre und folgt damit dem Kurs anderer europäischer Länder.

Positiv zu werten ist, dass sich gemäss dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin die exponentielle Wachstumskurve der Coronavirus-Infektionen in Europa etwas abzuflachen scheint. Dies könnte auf die etablierten Einschränkungen im öffentlichen Leben zurückzuführen sein. Das Zentrum der Pandemie bleiben derzeit aber Europa und insbesondere Italien und Spanien, wo die Lage weiterhin äusserst dramatisch ist.

«Corona-Bonds» in Diskussion

In der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint die Option von Eurobonds, respektive sogenannten «Corona-Bonds» diskutiert zu werden. So äusserte EZB-Ratsmitglied und portugiesischer Notenbankchef Carlos Costa die Meinung, dass die EZB Lösungen finden müsse, um eine zweite Schuldenkrise zu verhindern. Hierzu würden sich vom Euro-Rettungsschirm ESM ausgegebene «Corona-Anleihen» anbieten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich bereits positiv in Bezug auf gemeinsame Anleihen der Eurostaaten gezeigt.

Ifo geht von immensen Schaden für deutsche Wirtschaft aus

Die durch die Corona-Krise entstehenden Schäden für die deutsche Wirtschaft könnten gemäss der Einschätzung des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo «alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist». Je nach Szenario könnten die volkswirtschaftlichen Kosten für die Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie zwischen EUR 250 Mrd. (bei zweimonatigem Teilstillstand) bis EUR 730 Mrd. (bein einem Stilstand von drei Monaten) betragen und mehr als eine Million Arbeitsplätze gefährden. Zudem könnten mehr als sechs Millionen Menschen von Kurzarbeit betroffen sein.

Die deutsche Regierung geht unterdessen von einer schweren Rezession als Folge der Corona-Krise aus. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung werde «mindestens so hoch sein wie in der globalen Finanzkrise 2008/2009». Im Jahr 2009 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt um -5.7% geschrumpft. Das Statistische Bundesamt wird am 15. Mai erste Zahlen zur Entwicklung des BIPs im ersten Quartal veröffentlichen.

Die Bundesbank geht ebenfalls von einer «ausgeprägten Rezession» aus. Dennoch dürfte der Abschwung dank der umfassenden staatlichen Stützungsmassnahmen zeitlich begrenzt sein, schrieb die Notenbank in ihrem gestern publizierten Monatsbericht. Insbesondere in der ersten Jahreshälfte sei aber mit massiven Auswirkungen zu rechnen sein.

Auch Australien legt milliardenschweres Hilfspaket auf

Die australische Regierung will mit Hilfsmassnahmen im Umfang von AUD 84 Mrd. (EUR 45 Mrd.) die negativen Auswirkungen der Corona-Krise abfedern. Zudem sollen nochmals AUD 40 Mrd. als Reserve gebildet werden. Abgesehen von Kriegszeiten stelle die derzeitige Krise die bisher grösste Herausforderung für Australien dar, meinte Premierminister Scott Morrison.

 

Wirtschaftskalender 24. März

MEZ Land Indikator Letzte Periode
09:15 FR Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) März 52.0
09:30 DE Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) März 50.7
10:00 EZ Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) März 51.6
10:00 EZ Einkaufsmanagerindex Industrie März 49.2
10:00 EZ Einkaufsmanagerindex Dienstleister März 52.6
10:30 GB Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) März 53.0
14:45 US Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) März 49.6
14:45 US Einkaufsmangerindex Industrie März 50.7
14:45 US Einkaufsmanagerindex Dienstleister März 49.4

Unternehmenskalender 25. März

Land Unternehmen Periode
DE E.ON J19

 

 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, +41 44 250 78 59, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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